Anti Ferienwohnung - Das falsche Signal in Berlin

09. Mai. 2016

Kommentar von Victor Investment

Seit Anfang Mai gilt die neue Verordnung in Berlin, wonach Wohnungen nicht mehr an wechselnde Feriengäste ohne ausdrückliche Erlaubnis vermietet werden dürfen. Und diese Erlaubnis wird praktisch nicht mehr erteilt.

Welche Konsequenzen hat das?

Laut Berliner Senat sollen nun tausende Wohnungen, wenn nicht mehr als 10.000 Wohnungen neu dem Markt für eine dauerhafte Vermietung zugeführt werden. Das ist durch keine Zahl zu belegen. Unsere Marktbeobachtung zeigt das genaue Gegenteil: „Business as usual“. Keine Entspannung auf dem in den besten Berliner Lagen angespannten Wohnungsmarkt. In Prenzlauer Berg oder in Kreuzberg können wir nicht feststellen, dass hier wirklich eine signifikante Anzahl von Wohnungen neu zur Vermietung auf den Markt gekommen ist.

Sind die Eingriffe sinnvoll?

Politisch sind Eingriffe in den Wohnungsmarkt und das Wohneigentum in Mode. Quer durch alle Parteien wird in der Mietpreisbremse, der Senkung der Modernisierungsumlage, dem Verbot der Vermietung von Wohnungen an Feriengäste, dem Bestellerprinzip usw. die maximale Lösung für die Bereitstellung von günstigen Wohnungen in Berlin gesehen.

Keine Effekte belegt

Durch diese Maßnahmen ist noch keine Wohnung mehr in Berlin gebaut worden. Keine Wohnung, die für 6,50 EURO je Quadratmeter im Monat vermietet werden kann, kommt so langfristig auf den Markt. Die gesetzgeberischen Aktivitäten sollen zu einem Bremseffekt bei der Mietentwicklung in den bestehenden Wohnungen führen. Diese Effekte sind aber auch fast ein Jahr nach der Einführung der Mietpreisbremse nicht belegt.

Mehr Wohnungen?

In Berlin werden im Jahr etwa 170.000 Umzüge statistisch erfasst. Das entspricht einer Umzugsquote von ca. 10 % bezogen auf die Anzahl der Haushalte. Neu ist, dass die Anzahl der Zuzüge in die Stadt stark ansteigt und Berlin in den letzten beiden Jahren jeweils fast 25.000 neue Haushalte hinzugewonnen hat. Angenommen, es kommen einmalig durch die neue Verordnung gegen Ferienwohnungen in Berlin wirklich 5.000 Wohnungen zur Vermietung neu hinzu, dann würde dies 3 % der Umzüge und der Wohnungssuchen in Berlin im Jahr entsprechen. Sorgt dies wirklich für Entlastung?

Diskussion schadet

Stattdessen schadet der Berliner Senat dem Ansehen der Stadt durch die Auseinandersetzung mit dem größten Diensteanbieter Airbnb. Weltoffenheit sieht anders aus.

Trend: Mikro-Appartements und Serviced Appartements

Durch die restriktive Gesetzgebung werden andere Trends am Wohnungsmarkt massiv befördert. Kleine und kleinste Wohnungen, auch bekannt unter dem Namen „Mikro-Appartements“ sind stark im Kommen. Viele neue Projekte stehen unter dem Leitbegriff „Services Appartements“, also einem Komplettdienst bei der Vermietung inklusive Möbeln, Rezeption, Wäscheservice auf Bestellung usw.

Victor Investment begrüßt Innovationen

Wir von Victor Investment begrüßen jede Innovation auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt. Wir sind der Überzeugung, dass die gesetzgeberischen Versuche den Mietmarkt in Berlin zu regulieren ins Leere laufen, solange nicht für ausreichend Neubau in der Stadt gesorgt wird. Ein Gesetz contra Ferienimmobilien setzt einen Zug in Gang, den der Gesetzgeber so sicher nicht gewollt hat.